Jedes Kind braucht ein Zuhause

~Zweiter Teil~

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 15

Liebe ist nur ein Wort

Unterdessen im Studenten-Wohnheim in Terra Rosso: Es verging nicht eine Minute, dass Wilfried nicht an Miriam dachte. Dass sie fort war, hatte ihm das Herz gebrochen. Immer wieder musste er weinen. Und auf sein Studium konnte er sich jetzt auch nicht mehr so richtig konzentrieren. Er fühlte sich elend und hilflos.

Verena hatte am Telefon gemerkt, dass irgendwas mit Wilfried nicht stimmte. Sofort setzte sie sich in den nächsten Bus und fuhr nach Terra Rosso. „Was ist denn nur passiert, dass du so durcheinander bist?“ fragte sie als erstes bei ihrer Ankunft. Wilfried war so froh, dass er mit Verena eine Vertraute bei sich hatte. Nachdem er ihr alles von Anfang an erzählt hatte, fühlte er sich schon etwas erleichtert.

„Lass bloß den Kopf nicht hängen, mein Junge“ tröstete sie ihn. „Wahrscheinlich hat Miriam‘s Verschwinden einen ganz einfachen Grund und bald klärt sich alles auf.“

 „Du solltest auf jeden Fall dein Studium deshalb nicht vernachlässigen“ fuhr Verena fort. „Denk immer an dein Vorhaben, deinen Traum, dass du mit mir zusammen ein Kinderheim betreiben möchtest. Als du mir davon in deinem Brief geschrieben hast, als ich in der Klinik war, hat mir das so viel Kraft gegeben, nur so habe ich die Zeit dort überstanden.“

Die Gespräche mit Verena machten Wilfried Mut. Er konnte sogar schon wieder  lachen, als Verena einige Anekdoten von früher zum Besten gab.

„Liebe ist doch nur so ein Wort“ redete sich Wilfried ein und befolgte Verena‘ s Rat. Er konzentrierte sich voll und ganz auf sein Studium und setzte seine ganze Energie ein, um zu lernen. Dadurch musste er auch nicht mehr so oft an Miriam denken.

Nach und nach verblasste auch die Erinnerung an ihren Geruch, an ihr Gesicht und bald hatte er sie fast vergessen.

Bis eines morgens - Wilfried saß am Frühstückstisch und stocherte lustlos in seinem Essen herum. Dabei hatte er die Bushaltestelle vor dem Fenster genau im Blick. Und da stand sie – wie aus dem Nichts kommend - Miriam, sie stand an der Bushaltestelle vor dem Studentenwohnheim.

Wilfried sprang auf und lief hinaus. „Miriam, Miriam“ rief er und legte seine Hand auf ihre Schulter.

Erschrocken drehte sie sich um. Wilfried blickte in zwei fragende Augen. „Oh, oh, ich… ich habe dich verwechselt,“ stammelte er. „Ich wollte dich nicht erschrecken,….. tut mir Leid!“ Das Mädchen, sie stellte sich als Andrea Klein vor, sah Miriam aber auch verdammt ähnlich.

Wilfried entschuldigte sich nochmal bei Andrea und erklärte ihr, wie es zu der Verwechselung kam. Dann verabschiedete er sich und ging wieder ins Haus.

Jetzt musste er erst einmal seine Gedanken ordnen. Er wollte doch nicht mehr an Miriam denken, und jetzt sowas. Um sich abzulenken, nahm er sich einen Pinsel und eine Farbpalette und malte ziellos etwas auf die Leinwand.

Plötzlich nahm sein Gemälde Gestalt an. Ohne, dass er es wollte malte er ein Portrait von Miriam. Es gelang ihm nicht – er konnte sie einfach nicht vergessen.

 

 Kapitel 16